Leo Hillinger jun. alias Jack

„Meine beiden Kinder Vivienne und Leo sind das Allerwichtigste für mich. Ohne Kinder ist das Leben nur halb so schön und ich habe riesengroßes Glück, dass sich die beiden – natürlich auch dank meiner Frau, die den Großteil der Erziehung übernommen hat – so großartig entwickelt haben. Besonders freut mich, dass sogar beide Kinder in meine Fußstapfen treten und ins Familienunternehmen einsteigen möchten. Für mich als Vater gibt es kein größeres Glück und ich möchte sie auf ihrem Weg bestmöglich unterstützen und ihnen auch die Freiheit geben, sich auszuprobieren und Dinge anders zu machen. Jack arbeitet bereits in der Firma und lernt alle Bereiche des Unternehmens von der Pike auf kennen – von der Arbeit im Weingarten und im Keller bis hin zu Marketing und Sales. Dass er großes Talent für die Arbeit im Keller mitbringt, war mir immer klar. Dass in ihm jedoch auch ein Verkaufsgenie schlummert, hat mich nicht nur überrascht, sondern tief beeindruckt. Er hat seine ersten Verkaufstouren und Kundentermine souverän und mit unglaublichem Charme gemeistert und dafür tolles Feedback und Lob erhalten. Das macht mich sehr, sehr stolz und zeigt mir, dass wir mit der Entscheidung, ihn jetzt schon ins Unternehmen einzubinden, alles richtig gemacht haben.“

– Leo Hillinger

 

Leo Hillinger junior im Interview

Wann hast Du beschlossen, in die Fußstapfen Deines Vaters zu treten?
Einen bestimmten Zeitpunkt gab es nicht, es war keine Entscheidung, die ich getroffen habe. Ich bin nicht einfach irgendwann aufgewacht und dachte: „Eigentlich könnte ich in das Familienunternehmen einsteigen.“ Für mich war vielmehr schon immer klar, dass das Weingut in meinem Leben eine wichtige Rolle spielen wird bzw. dass ich eine Rolle im Unternehmen spielen möchte. Und jetzt ist es endlich soweit. Natürlich gab es, wie bei jedem anderen Kind auch, Zeiten, da habe ich als Autofreak davon geträumt, Rennfahrer zu werden. Aber das habe ich nie ernsthaft verfolgt.

Was gefällt Dir an Deinem Beruf?
Einen Wein nach meinen eigenen Vorstellungen zu erschaffen ist für mich die größte Faszination am Beruf des Winzers. Man macht sich Gedanken darüber, wie der Wein beschaffen sein muss und schmecken soll. Zu sehen, wie aus dieser Vorstellung ein fertiges Produkt wird, das man sehen, anfassen, kaufen und genießen kann, ist unglaublich schön. Wenn der Wein dann auch noch gut ankommt und man positives Feedback und Lob von Kunden bekommt, da geht einem richtig das Herz auf. Das ist die größte Bereicherung für mich.

Welcher Wein ist dein Lieblingswein und warum?
Alle meine eigenen Weine von den Jack bis zu den Angel Weinen, weil ich alle genau nach meinem eigenen Geschmack gemacht habe, so, wie ich sie selbst gerne trinken möchte. Nach einer bestimmten Richtung gefragt, wäre es sortentechnisch der Sauvignon Blanc. Ich bin aber auch ein großer Fan von Merlot oder Cabernet Franc.

Wie sieht für Dich ein typischer Arbeitstag am Weingut aus?
Den typischen Arbeitstag gibt es für mich derzeit nicht. Ich habe keinen fixen Tagesablauf, sondern rotiere durch alle Bereiche des Unternehmens mit Fokus auf Weingarten, Keller und Verkauf. Ziel ist, dass ich sukzessive immer mehr in unternehmenspolitische Entscheidungen eingebunden werde.

Apropos Entscheidungen: Gibt es etwas, das Du anders gemacht hättest oder anders machen würdest als Dein Papa?
Es gibt natürlich Dinge, die ich anders machen würde als er und bestimmt auch anders machen werde. Ich habe ja auch eine ganz andere Art als er. Aber ich bin mir sicher, ich werde es auf meine eigene Art gut machen. Daran, wie mein Papa das Unternehmen aufgebaut hat, würde ich nichts ändern wollen. Das macht alles Sinn und entspricht auch genau meiner Philosophie: an oberster Stelle steht die Qualität.

Seid Ihr oft unterschiedlicher Meinung?
Interessanterweise – und damit hätte wohl keiner von uns beiden gerechnet – sind wir sogar oft gleicher Meinung. Und wenn nicht, mir etwas aber wichtig ist und ich es gut argumentieren kann, lässt er mir meist die Freiheit und sagt: „Gut, wir probieren es so und dann schauen wir, wie es läuft.“ Das Schönste an der Zusammenarbeit ist, dass der Papa hinter mir steht, auch wenn er anderer Meinung ist.

Dein Papa hat bei weniger als Null angefangen und dieses Unternehmen zu dem gemacht, was es heute ist. Was ist das für ein Gefühl, diese Verantwortung übertragen zu bekommen?
Es ist natürlich eine große Verantwortung und viel, das auf meinen Schultern liegt. Ich bin aber überzeugt davon, dass ich alle zukünftigen Herausforderungen aufgrund meiner optimistischen Arbeitseinstellung meistern werde. Ich bin wirklich motiviert und ich habe ein großartiges Team hinter mir.

Denkst Du, dass es deinem Papa leicht fallen wird, sich aus dem Unternehmen zurückzuziehen?
Ich war mir eigentlich sicher, dass es ihm wahnsinnig schwer fallen wird, weil er alles mit eigenen Händen und viel Konsequenz aufgebaut hat. Das Unternehmen ist sein Baby und es steckt viel, wie er gerne sagt, Herzblut drinnen. Er liebt und lebt das, was er tut zu 200 Prozent. Nachdem ich aber nun in die Praxis eingestiegen bin, mich schon in einigen Dingen eingebracht habe und er sieht, dass das, was ich tue, funktioniert – gemessen an Verkaufszahlen oder weil er positives Feedback von Kunden bekommen hat, habe ich den Eindruck, dass es ihm leichter fällt, Dinge aus der Hand zu geben. Ich denke, er freut sich darüber, dass wir Kinder übernehmen und wir freuen uns darauf, Gas geben zu können.

Schwebt Dir ein Projekt vor, welches Du noch gemeinsam mit Deinem Papa umsetzen möchtest?
Es gibt noch viele Projekte, die ich gemeinsam mit meinem Papa umsetzen möchte und hoffentlich auch werde. Er verschwindet ja nicht von heute auf morgen von der Bildfläche. Eine ganz konkrete Idee schwebt mir auch schon vor, aber die kann ich noch nicht verraten, weil es auch für ihn eine Überraschung sein soll.

Eventuell wird auch Deine Schwester später ins Unternehmen einsteigen. Habt Ihr Euch schon Gedanken darüber gemacht, wie die Zusammenarbeit aussehen könnte?
Meine Schwester ist einer der wichtigsten Menschen in meinem Leben, sie ist meine größte Stütze. Wir bereden alles miteinander und haben auch schon oft über die Zukunft der Firma und darüber gesprochen, dass sie sich auf den Verkauf und ich mich auf die Produktion fokussieren könnte. Jetzt hat sich aber herausgestellt, dass ich auch für Sales ein Talent habe. Wir haben ja noch ein bisschen Zeit. Nach der Schule wird Vivi bestimmt ihren Platz im Unternehmen finden. Genug Arbeit gibt es ja und ich freu mich jetzt schon extrem auf die Zusammenarbeit mit ihr.