Doris Kiefhaber

„Ich unterstütze sehr viele soziale Projekte, doch die Pink Ribbon Initiative liegt mir ganz besonders am Herzen. Eine meiner ersten Mitarbeiterinnen ist damals mit nur 36 Jahren an Brustkrebs erkrankt und schließlich auch daran gestorben. Das war ein sehr einschneidendes Erlebnis für mich und ich wollte etwas tun, einen Beitrag leisten. Als Pink Ribbon Partner der ersten Stunde haben wir unserem beliebtesten Schaumwein, dem Secco Rosé, ein Eigenlabel gewidmet. Die Leo HILLINGER Secco Rosé Pink Ribbon Edition trägt die rosa Schleife auf dem Etikett, die die gemeinsame Partnerschaft symbolisiert. Ein Teil der Verkaufserlöse dieses Produktes geht an die Österreichische Krebshilfe – und das nicht nur im Brustkrebs-Awareness Monat Oktober, sondern 365 Tage im Jahr. Ich freue mich sehr über diese Kooperation, die vor 16 Jahren begonnen hat, als ich Doris Kiefhaber über einen gemeinsamen Freund kennengelernt habe.“

 Leo Hillinger

 

Doris Kiefhaber im Interview

Sie sind Geschäftsführerin der Österreichischen Krebshilfe – wie lange schon und was haben Sie vorher gemacht?

Ich war viele Jahre Marketingleiterin eines großen Medizinkonzernes. Irgendwann habe ich meinem Chef zu verstehen gegeben, dass ich mich verändern möchte. Ich wollte mich aus dem aktiven Verkauf zurückziehen und der Gesellschaft etwas zurückgeben. Eines Tages kam ich ins Büro und fand auf meinem Schreibtisch die Ausschreibung für die Stelle der Geschäftsführung der Österreichischen Krebshilfe. Mein Chef hatte das Inserat aus einer Tageszeitung herausgerissen und drübergeschrieben: „Das bis Du!!!! – mit drei Rufzeichen. Ich habe mir die Stellenausschreibung durchgelesen und mich direkt angesprochen gefühlt, mich daraufhin beworben, bin durch die üblichen Assessments gegangen und dann war‘s soweit. Das ist jetzt schon über 20 Jahre her. Gemeinsam mit dem Präsidenten, Prof. Sevelda, wollte wir die Österreichische Krebshilfe ins neue Jahrtausend führen. Prof. Seveldas Amtsperiode hätte nach den damaligen Statuten drei Jahre lang gedauert. Diese Zeitspanne schien mir passend für meine Aufgabe. „Solange mache ich das und dann suche ich mir etwas Neues.“, dachte ich. Aber es kam anders. Kurz vor Ablauf der drei Jahre hat der Vorstand entschieden, die Statuten zu ändern, sodass eine einmalige Wiederwahl von Prof. Sevelda möglich war – er selbst wusste davon zunächst nichts. Ich ging mit und als auch diese Periode fast verstrichen war, wurden die Statuten auf mehrmalige Wiederwahl geändert, woraufhin mein Mann zu mir meinte: „Ok, das heißt, Du bleibst dort.“ Für mich war schon sehr bald klar, dass ich meine berufliche Heimat, meine Berufung, gefunden hatte. Heute könnte ich es mir gar nicht mehr anders vorstellen. Ich bin angekommen und ich bin noch lange nicht fertig mit dem, was ich gemeinsam mit Prof. Sevelda noch für KrebspatientInnen und ihre Angehörigen in Österreich erreichen möchte.

Was sind Ihre Aufgaben?

Seit Gründung der Österreichischen Krebshilfe im Jahr 1910 sind es drei wesentliche Aufgaben und die haben sich im Laufe der Zeit auch nicht verändert.

  • Die Information der Bevölkerung über alles, was man tun kann, um Krebs zu vermeiden. Das tun wir im Rahmen unserer jährlichen Schwerpunktaktionen wie z. Bsp. Pink Ribbon.
  • Von der Öffentlichkeit vielleicht nicht so wahrgenommen, aber eigentlich unsere Hauptaufgabe: Die Betreuung von KrebspatientInnen und Angehörigen in 63 Krebshilfestellen in ganz Österreich, wo jede und jeder, der betroffen ist, Beratung und Unterstützung – auch finanzieller Natur – bekommen kann.
  • Der kleinste Bereich, weil wir von Spenden und nicht von Subventionen leben, ist die Krebsforschung. In diesem Bereich würden wir gerne mehr tun, aber das geht schnell in die Millionen, über die wir nicht verfügen und es gibt einen klaren Vorstandsbeschluss, dass die Hilfe für Erkrankte und Angehörige an erster Stelle steht.

Meine Aufgabe, gemeinsam mit den KollegInnen aus den neun Landesvereinen ist, eine jährliche Gesamtstrategie und Planung zu entwickeln, Schwerpunkte zu setzen und umzusetzen. Marketing, PR, Werbung, Presse, jegliche Art von Öffentlichkeitsarbeit und schließlich, gemeinsam mit Prof. Sevelda, gesundheitspolitisches Lobbying. Es gibt immer eine Reihe von Forderungen, die wir haben, um etwas für die Menschen zu verbessern und dafür versuchen wir, möglichst alle Player an Board zu holen, um Gesetzesänderungen oder ein Umdenken zu erreichen.

Pink Ribbon ist heute ein Begriff. Das war jedoch nicht immer so. Erst unter Ihrer Geschäftsführung haben die Pink Ribbon Aktionen in Österreich im Jahr 2002 gestartet. Wie waren die Anfänge?

Ich habe im Zuge meiner vorhergehenden beruflichen Tätigkeit Pink Ribbon in den USA kennengelernt und für gut befunden. Prof. Sevelda hatte die Ergebnisse einer damaligen Studie, dass Frauen zwar grundsätzlich um die Wichtigkeit der Vorsorgeuntersuchung wissen, aber aufgrund ihrer Doppel- und Dreifachbelastung oft vergessen, diese wahrzunehmen. Wir wollten mit den Pink Ribbon Aktionen das Bewusstsein dafür schärfen. Einige Mediziner waren der Meinung, man könne ein so ernstes Thema unmöglich mit einer rosa Schleife konnotieren. Das hat einiges an Überzeugungsarbeit gekostet. Mittlerweile hat sich dieses Symbol auch in Österreich etabliert und steht für die Erinnerung an die Mammographie, ist ein Zeichen der Solidarität und steht auch für die Aktionen, die wir unter diesem Schwerpunkt setzen.

Wie wichtig ist es für Ihre Arbeit, Unternehmen als Partner zu haben?

Die Partnerschaft mit Unternehmen ist existenziell wichtig, da wir keine Subventionen erhalten, was gut ist, weil wenn wir so politisch unabhängig bleiben können. Circa 70 Prozent der Spenden kommen von Privatpersonen, 30 Prozent von Unternehmen – Tendenz steigend. Wir spüren seit der Pandemie, dass die Bevölkerung weniger Mittel zur Verfügung hat, um zu spenden, weshalb die Bedeutung der Firmenkooperationen laufend zunimmt. Wir bitten die Unternehmen, ein oder mehrere Produkte Pink Ribbon zu widmen – bei Euch ist es der Secco Rosé, dem Ihr das Pink Ribbon Eigenlabel gewidmet habt – und den Erlös als Spende abzuführen. Was Pink Ribbon so besonders macht, ist, dass wir aus den Spenden der Pink Ribbon Aktionen mittlerweile die finanzielle Hilfe für Brustkrebs PatientInnen zu 100 Prozent finanzieren können.

Mich überrascht, dass der Großteil der Spenden von Privatpersonen kommt. Wer sind die Leute, die spenden?

Sehr oft sind es ehemalige PatientInnen, die im Laufe ihrer Erkrankung bei uns betreut wurden. Nicht alle brauchen finanzielle Hilfe, aber fast alle nehmen Unterstützung in Anspruch. Wie gehe ich mit der Diagnose um, wie sag ich es meinem Partner, meinen Kindern, meinem Umfeld? Wie ist das mit dem Behindertenstatus, kann ich gekündigt werden? Das alles sind Fragen, bei denen wir Hilfestellung bieten können. Der größte Schock für die meisten ist, wenn die Erkrankung voranschreitet oder wieder zurückkommt. Wenn die Menschen die Erkrankung überstanden haben oder es sich generell leisten können, spenden sie oder eben auch die Angehörigen, die ihre geliebten Menschen verloren haben oder selbst teilweise über längere Zeit von uns betreut wurden.

Wieviel Geld konnte damit gesammelt werden und wie wird es verwendet?

Pink Ribbon Österreich wird heuer 21 Jahre alt und mit diesem Jahr bewegen wir uns auf die 10 Millionen Marke zu. Mit dem Geld aus den Pink Ribbon Aktionen konnten wir bisher 90.000 PatientInnen helfen.

Welche konkreten Aktionen stecken hinter Pink Ribbon? Was wird gemacht?

Hinter den Pink Ribbon Aktionen stehen ganz viele unterschiedliche Charity Events. Anfangs haben wir uns in jedem Bundesland prominente Pink Ribbon Botschafter gesucht. Wir sind aktiv auf die Menschen zugegangen. Mittlerweile ist es umgekehrt und die Leute treten mit ihren Ideen und dem Wunsch, zu helfen, an uns heran. Das ist eine erfreuliche und wichtige Entwicklung, weil auch der Bedarf immer größer wird.

Wie lang hat es gedauert, bis Pink Ribbon sich in Österreich etabliert hat?

Das ging natürlich nicht von heute auf morgen. Es hat gute fünf Jahre gedauert, bevor es angefangen hat, zu greifen. Nach zehn Jahren war Pink Ribbon schließlich so etabliert, dass die rosa Schleife rund um den Brustkrebs-Awarenesstag sogar das Österreichische Parlament ziert. Das hat damals natürlich ordentlich für Furore gesorgt. Noch heute melden sich KollegInnen aus anderen Ländern, die voller Bewunderung sagen: „Mah, sowas hätten wir auch gerne.“

Hätten Sie vor 20 Jahren gedacht, dass das Ganze so groß wird?

Ich habe es gehofft, aber dass es so groß wird, hätte ich nicht gedacht. Und ich muss ganz ehrlich sagen, es hätte auch nicht geklappt, wenn ich nicht von Beginn an die Unterstützung von Uschi Pöttler-Fellner gehabt hätte. Sie hatte damals „Woman“ gegründet – ich habe sie nicht persönlich gekannt – und ich habe um ein Gespräch gebeten und einfach nur gefragt, ob sie diese Aktion irgendwie unterstützen kann. Das hat ihr so gut gefallen, dass sie Pink Ribbon gleich zwei Doppelseiten gewidmet hat. Der Rest ist Geschichte. Bis heute ist sie wahnsinnig engagiert und hat schon sehr viele Menschen und Unternehmen zu uns vernetzt. Ich sag immer: „Du bist die zweite Mama der Aktion.“

Wie ist die Partnerschaft zwischen der Österreichischen Krebshilfe und dem Weingut Leo Hillinger entstanden?

Die Partnerschaft mit Leo Hillinger ist Manfred Ainedter zu verdanken. Er war damals im Vorstand der Österreichischen Krebshilfe und seine Frau hat Pink Ribbon Golfturniere veranstaltet. Er ist an Leo herangetreten und hat ihn gebeten, Wein zu sponsern. Leo Hillinger war damals noch nicht DER Hillinger und das Sponsoring entsprach der Hälfte seiner damaligen Jahresproduktion. Er hat es trotzdem gemacht und so sind wir ins Gespräch gekommen. In den 16 Jahren Partnerschaft hat Leo fast 200.000 Euro gespendet.

Was ist Ihr persönlicher Antrieb? Wieso ist Ihnen dieses Engagement so wichtig?

Mir ist es deswegen so wichtig, weil Krebs bei einer Diagnose noch immer ganz schwarze Fantasien auslöst. Wenn man mit Freunden spricht und hört, dass jemand einen Herzinfarkt hatte, dann reagiert man mit: „Oh nein! Und wie geht’s ihm/ihr? Geht’s ihm/ihr schon besser?“ Bei Krebs verstummt alles und man sagt Dinge wie: „Na geh, der ist doch noch so jung…“ Die Diagnose wird immer noch mit einem Todesurteil gleichgesetzt. Die Erfahrung zeigt uns aber, dass sehr viele Menschen Krebs überleben und geheilt werden. Es ist so wichtig, dass Menschen mit der Diagnose die Hoffnung nicht verlieren und sie die bestmögliche Unterstützung bekommen, um erst einmal mit diesem Schock umgehen zu lernen, der zweifelsohne einer ist, und auch mit den Strapazen, die die Behandlung mit sich bringt. Das Tabu muss verschwinden. Wir können in der Onkologie mittlerweile schon so viel. Es gibt Krebsarten, wo Menschen mit der Krankheit 10 Jahre und mehr überleben, wenn sie nicht geheilt werden können – das war vor 20 Jahren noch undenkbar.

Ihre Arbeit bringt mit sich, dass Sie tagtäglich mit dem Thema und auch mit betroffenen Menschen und deren Schicksalen konfrontiert sind. Wie schaffen Sie es, sich Ihren positiven Blickwinkel zu bewahren?

Wovon ich nichts halte, ist Abgrenzung. Ich grenze mich nicht ab, denn müsste ich das tun, würde ich den Job nicht mehr machen wollen. Bei mir verschwimmt sicher Berufliches mit Privatem, aber ich fühl mich gut dabei. Trotzdem gibt es Momente, wo es zu viel wird, immer dann, wenn es ganz nah einschlägt. Wie vor 10 Jahren, als mein Vater an Krebs erkrankt und drei Wochen später gestorben ist und als meine Cousine, die wie eine kleine Schwester für mich war, ein Jahr danach ihren jahrelangen Kampf gegen den Krebs verloren hat. Das sind Momente, wo man ins Schleudern kommt. Da haben mich meine KollegInnen, die alle PsychoonkologInnen sind, aufgefangen und ich konnte ganz offen über meine Gefühle, Ängste und meine Situation sprechen. Diese Art der Supervision tut uns allen gut, auch denen, die wir bei der Krebshilfe tätig sind und zeigt mir einmal mehr, wie wichtig und wertvoll die Arbeit ist, die wir für Betroffene leisten können.

Was sind Ihre größten persönlichen Erfolge rund um die Krebshilfe?

Abgesehen von den ganz großen Errungenschaften wie das rosa Mascherl am Parlament oder die Aktion, als wir die Spitzenpolitikerinnen aller im Parlament vertretenen Parteien dafür gewinnen konnten, am Tag der Nationalratswahl auf dem Weg zur Urne die rosa Schleife zu tragen, was für ordentlich Furore gesorgt hat, sind es vor allem Momente fernab jeglicher Publicity, die mich stolz machen und mit Freude erfüllen. Zum Beispiel als ich aus heiterem Himmel eine WhatsApp Nachricht der damaligen Vize-Kanzlerin Susanne Riess bekommen habe, die mir schrieb, dass sie gerade mit Wolfgang Schüssel nach einer Wanderung auf einer Alm sitzt und vor ihnen eine Flasche Secco Rosé Pink Ribbon Edition vom Leo Hillinger steht. „Wir sind überall, nicht wahr?“ schrieb sie mit Smileys und Herzerln. Dieser gemeinsame Spirit, dieses, wenn die Menschen sich selbst als Teil von Pink Ribbon fühlen, das sind für mich ganz persönliche Meilensteine. Letztes Jahr, als wir 20 Jahre Pink Ribbon in Österreich und 30 Jahre weltweit gefeiert, habe ich beim Festakt in der Hofburg gesagt, dass wir alle eine Familie sind, die Firmen, die ÄrztInnen, das Pflegepersonal, die BotschafterInnen und die PatientInnen. Wir sind eine Familie und ein Netzwerk und so verstehe ich das auch. Das, was die Österreichische Krebshilfe tut, ist kein gnädiges Geben von oben. Wir stehen alle mitten in der Gesellschaft und es ist ganz klar, dass diese Community einander unterstützt. Davon bin ich überzeugt und darauf bin ich stolz.