2019

Die alten Hasen im Burgenland sagen, dass die sogenannten 9 er Jahre etwas Besonderes wären.

Der Winter 2018/2019 war mittelkalt mit mäßigen Winterniederschlägen. Nach der biblischen Trockenheit von 2018 hätten wir über Winter deutlich mehr Niederschläge gebraucht, um die Reservoirs der Böden aufzufüllen. Die Winterarbeiten, der Rebschnitt und das Anbinden, konnten wir dankenswerterweise bis zum 01.04.2019 beenden und starteten so gut vorbereitet in das Erntejahr.

Zunächst begann das Jahr mit einem normalen Austrieb um den 15.04.2019. Die warmen Temperaturen um Ende März bis Mitte April begünstigten ein zügiges Wachstum der jungen Triebe. Selbst unsere Merlot, Cabernet Sauvignon und sogar unsere Blaufränkisch hatten den sogenannten Budbreak, das Öffnen der Augen bzw. Knospen, bis Ende April erledigt.

Der Austrieb der Reben ist für uns Winzer der erste, wenn auch kleine, Ausblick auf die Ernte. Zu diesem frühen Stadium der Rebentwicklung ist eine Abschätzung des Erntezeitpunktes zwar noch vergleichbar mit Kaffesatzlesen und doch gibt er ein erstes Anzeichen wohin die Reise bei unterschiedlichen Jahresverläufen gehen könnte.

Ein altes Sprichwort besagt: „Irgendwann kommt der Regen“, und so war es auch. Ziemlich genau am 05.05.2019 öffnete der Himmel seine Schleusen. Die jungen Triebe unserer Sauvignon Blanc und Blaufränkischen waren gerade zarte 15 cm hoch, als es zu regnen begann. Mit diesem Regen ging ein deutlicher Abfall der Temperaturen einher. Die Temperaturen fielen von ca. 25 Grad Celsius Ende April auf 10 – 15 ° C Anfang Mai. Rückblickend handelte es sich um den kühlsten Mai seit ca. 30 Jahren. Zunächst freuten wir uns natürlich über die Niederschläge, da wir endlich das langersehnte Wasser bekamen, welches unsere Böden so dringend brauchten.

Spätestens in der zweiten Maihälfte wurden die Blicke gen Himmel jedoch dann schon leicht sorgenvoll. Die andauernden sehr ergiebigen Niederschläge machten die gezielte Bewirtschaftung unserer Weingärten zusehends schwerer. Gedanken an das Katastrophenjahr 2016 in Deutschland und Frankreich wurden wach. In diesem Jahr hatten die Winzer nahezu keine Möglichkeit auf die feuchte Witterung zu reagieren und verloren teilweise bis zu 60 % ihrer Ernte an die Peronospora (Falscher Mehltau oder Plasmopara Viticola). Zu diesem Zeitpunkt fiel es schwer, gezielte Maßnahmen im Pflanzenschutz zu setzen. Wir verdanken es unseren motivierten Schlepperfahrern, Möglichmachern und Alleskönnern, das wir in dieser Zeit „Wetterlücken“, wann immer sie sich boten, nutzen konnten um unseren Pflanzenschutz durchzuführen. Mit einem solch motivierten und fähigen Team im Rücken lassen sich selbst solch schwierige Phasen perfekt meistern.

Wie auf Knopfdruck stoppte der Regen dann Anfang Juni und die Temperaturen „schossen“ in die Höhe. Plötzlich hatten wir Tag- und Nachttemperaturen zwischen 20 – 25 ° C. Ausgestattet mit ordentlich Wasser im Boden und warmen Temperaturen legten unsere Weingärten jetzt richtig los. Trieblängenzuwachs von teilweise 15 – 20 cm in der Woche waren keine Seltenheit. Der Außenbetrieb war aufs höchste gefordert diesem Zuwachs standzuhalten. Die Arbeiten, Ausbrechen und Einstricken der Triebe liefen teilweise gleichzeitig ab. Beim Ausbrechen werden Wasserschosse am Stamm und Doppelaugen auf den Fruchtruten entfernt und die Anzahl der Triebe auf der Rute wird ggf. korrigiert.

Diese Arbeiten sind ein entscheidender Teil unserer Bewirtschaftungsphilosophie. Sie sind ein entscheidender Teil der sogenannten Laubwandarchitektur. Das bedeutet, dass unsere Triebe so aufrecht wie möglich stehen sollen, um eine homogene Traubenzone und ein gerades Triebwachstum zu ermöglichen. Dieses ermöglicht es uns optimale Bedingungen für die spätere Reife zu schaffen. Witterungsbedingt mussten wir uns in dieser Zeit sehr sputen, um mitzuhalten. Einmal mehr war es unseren Traktorenjedis und unserem motivierten Team zu verdanken, dass wir diese Zeit gut meistern konnten.

Der Pflanzenschutz fand in dieser Zeit aufgrund der zu hohen Tagestemperaturen ausschließlich nachts statt. Es ist immer wieder ein beeindruckendes Bild, wenn man unsere „Geisterreiter“ nachts fahren sieht.

Die Rebblüte begann bei den frühen Sorten wie Chardonnay und Sauvignon Blanc um den 15.06.2019. Die Rebblüte ist für uns Winzer der erste wirkliche Ausblick auf den Erntezeitpunkt. Eine Faustregel besagt, dass 100 Tage nach der Blüte geerntet wird. Alles deutete zu diesem Zeitpunkt auf eine sehr frühe Ernte um Mitte August herum hin.

2018 war im Burgenland die früheste Ernte seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. Solch frühe Ernten sind für uns Winzer immer eine große Herausforderung. Teilweise mussten Trauben gerade einmal 60 Tage nach der Blüte geerntet werden. Es blieb also zu hoffen, dass die Witterung noch einmal auf die „Bremse“ tritt.

Auch der weitere Verlauf des Sommers war warm und trocken.

So richteten wir unsere Kellerei für einen Erntebeginn zwischen dem 15 – 25.08.2019 her. Es wurde, wie jedes Jahr vor der Ernte geschrubbt, gewienert und gespritzt. Unsere Pressen wurden ausgepackt und die Traubenscheren scharf gemacht.

Am 27.08.2019 starteten wir mit der Ernte unseres HILL Brut und HILL Brut Rosé. Dafür ernteten wir wie jedes Jahr Chardonnay und Pinot Noir. Die Temperaturen in dieser Zeit waren nach wie vor hoch und so ernteten wir teilweise bei 25°C.

Aufgrund der hohen Temperaturen ernteten wir im Anschluss bereits in der ersten Septemberwoche unsere Sauvignon Blanc und Gelber Muskateller. Es deutete auf eine kurze, schnelle und intensive Ernte hin.

Dann geschah das kleine Wunder. Plötzlich kühlten, vor allem die Nächte deutlich ab. Ab der zweiten Septemberwoche hatten wir Nachttemperaturen um 10°C. Dies ist vor allem für das Konservieren der Säuregehalte unserer Trauben wichtig. Säure, wird vor allem nachts veratmet und somit reduziert. Bedingt durch die niedrigen Temperaturen in der Nacht und den milden Temperaturen über Tag hatten wir plötzlich einen nahezu optimalen Reifverlauf und konnten die Ernte dadurch deutlich entschleunigen.

Grüner Veltliner, Chardonnay und Weißburgunder konnten wir entspannt nacheinander ernten und einlegen.

Auch unsere Rotweine profitierten von diesem optimalen Witterungsverlauf. So ernteten wir Ende September unsere Zweigelt und konnten dann bereits mit den Vorlesen der Blaufränkisch beginnen.

Die Gärverläufe im Keller waren nahezu optimal und die Gärungen ließen sich gut und einfach führen. Bereits die ersten Gärungen zeigten, dass wir es 2019 mit etwas ganz Besonderem zu tun haben.

Die Weißweine zeigten sich von Anfang an mit einer klaren Frucht in der Nase und einem eleganten Zug und Druck am Gaumen.

2019 galt es im Keller vor allem vorsichtig und leise zu arbeiten, um die optimalen Bedingungen bis aufs letzte auszureizen.

Auf die Blaufränkisch folgten Merlot und zum Schluss Cabernet Sauvignon.

Die Ernte endete am 21.10.2019 mit unserem vollreifen Cabernet Sauvignon.

Derzeit sieht es so aus, als hätten wir 2019 einen der größten Jahrgänge unserer Betriebsgeschichte eingelegt. Auch jetzt zeigen sich unsere Weine gefasst, strukturiert mit guter Textur. Sie sind zwar noch sehr jung, lassen aber bereits erkennen, dass man über 2019 noch sehr lange sprechen wird.

Es ist immer wieder beeindruckend, wie viele helfende-, präzise-, und motivierte Hände es braucht um Wein werden zu lassen.

Für diesen Jahrgang sind wir demütig und dankbar und bedanken uns bei vielen für Vieles!

 

 

Rückblick über das Weingartenjahr 2019 von Kellermeister Peter Zuschlag

 

Wir wünschen Ihnen und Ihren Familien einen guten Rutsch ins neue Jahr 2020!

#morethanwine

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